11. August 1677 · Rostock
als Rostock in Schutt und Asche fiel
Ein Samstagmorgen wird zum Albtraum. Am 11. August 1677, exakt um 08:30 Uhr, brach in einer Bäckerei in der Altschmiedestraße ein Feuer aus.
Was als kleiner Funke begann, vernichtete innerhalb von zwei Tagen das Herz der stolzen Hansestadt.
Rostock war geschwächt. Die Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges und schwedische Zölle hatten die Stadt bereits an den Rand des Ruins getrieben. Die enge Bauweise und der heftige Südostwind machten den Brand unaufhaltbar.
08:30 Uhr - Der Ausbruch
In einer Bäckerei der Altschmiedestraße trifft ein glimmender Span auf trockene Getreidesäcke. Binnen Sekunden schlagen Flammen hoch. Der starke Südostwind greift die Funken auf.
Vormittag — Rasende Ausbreitung
Innerhalb weniger Minuten steht die erste Häuserreihe in Flammen. Die Sturmglocken läuten - viele Bürger sind außerhalb der Stadt. Keine Feuerwehr, keine Wasserleitungen. Nur Eimerketten von der Warnow.
09:45 Uhr - Der Alte Markt brennt
Funken springen über Straßen und Plätze. Das Feuer erreicht den Alten Markt. Stehende Wasserstellen helfen kaum gegen die Gewalt der Flammen.
11:00 Uhr - Die Brökker-Stiftung fällt
Eine soziale Einrichtung für Bedürftige geht in Flammen auf.
Früher Nachmittag - Die Wahrzeichen fallen
Die Katharinenkirche brennt. Ein Waisenhaus mit rund 80 Kindern und ein Lazarett werden ein Raub der Flammen. Pulver in Lagerhäusern explodiert - Detonationen erschüttern die Stadt.
Abend - Bilanz des ersten Tages
Rund 700 von 2000 Häusern sind zerstört. 28 Brauhäuser vernichtet. Die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bricht fast vollständig weg.
So. 12. August - Der Wind dreht
Das Feuer verlangsamt sich und verfehlt Marienkirche und Rathaus nur knapp. Starker Regen setzt ein.
Mo. 13. August - Das letzte Glut
Die letzten Glutnester sind gelöscht. Rostock liegt in Trümmern.
`Um zu leben, muss man heute sterben!´
- Aus den Rostocker Ratsprotokollen von 1677
Rostock im 17. Jahrhundert war eine geschwächte Stadt. Der Dreißigjährige Krieg hatte tiefe Wunden hinterlassen, schwedische Zölle vor Warnemünde lähmten den Handel - und die engen Gassen mit ihren dicht gedrängten Holzhäusern, Strohdächern und offenen Feuerstellen machten die Hansestadt zu einem Pulverfass. In fast jeder Straße lagerten brennbare Vorräte wie Getreide. Es fehlte wenig, um alles in Brand zu setzen.
Am Sonnabend, dem 11. August 1677, gegen 8:30 Uhr morgens, war es so weit: In einer Bäckerei in der Altschmiedestraße endzündete ein glimmender Span trockene Getreidesäcke. Der starke Südostwind trieb die Flammen weiter - innerhalb weniger Minuten stand die erste Häuserreihe in Brand. Es gab keine Feuerwehr, keine Wasserleitungen. Nur Eimerketten von der Warnow.
Was viele nicht wissen: Der Sommer 1677 war ungewöhnlich heiß und trocken. Wochenlang hatte es nicht geregnet. Die Holzbalken der Häuser waren knochentrocken – wie Zunder. Rostock bestand damals zu großen Teilen aus Fachwerkhäusern mit Strohdächern, die dicht aneinandergedrängt standen. Zwischen den Häusern lagen kaum einen Meter Abstand. Ein Funke reichte, um ganze Straßenzüge in Brand zu setzen.
Gegen 9:45 Uhr hatte das Feuer den Alten Markt erreicht, mittags brannte die Katharinenkirche - und ein Waisenhaus mit rund 80 Kindern. In Lagerhäusern enzündete sich gelagertes Pulver und erschütterte die Stadt mit Explosionen. Erst der Regen des nächsten Tages verlangsamte das Inferno. Am Montag waren die letzten Glutnester gelöscht.
Die Bilanz war verheerend: Rund 700 von 2000 Häusern vernichtet, Tausende obdachlos, die wirtschaftliche Grundlage der Stadt fast vollständig zerstört. Neue Bauvorschriften folgten - mehr Stein statt Holz, breitere Straßen, bessere Brandschutzmaßnahmen. Doch erst etwa 100 Jahre später sollte Rostock wieder seine frühere Bevölkerungszahl erreichen.
Karte der beim Rostocker Stadtbrand 1677 betroffenen Kirchen.
Der Ostwind trieb das Feuer von Ost nach West durch die gesamte Stadt. Es gab keine klaren Befehlsstrukturen, nicht genug Wassereimer, nicht genug Wasser. Bei diesen Bedingungen bestand kaum eine Chance, die Stadt am Abbrennen zu hindern.
— Dr. Steffen Stuht, Kulturhistorisches Museum Rostock
Mit den Lagerhäusern und Werkstätten brach die wirtschaftliche Grundlage der Stadt fast vollständig weg. 28 Brauhäuser - ein zentraler Teil der hanseatischen Wirtschaft - gingen verloren. Die Erholung dauerte Jahrzehnte. Bier war damals nicht einfach ein Getränk – es war sicherer als Wasser, es war Währung, es war Rostocks wichtigstes Exportgut. Wer ein Brauhaus verlor, verlor seinen gesamten Lebensunterhalt. Von einem Tag auf den anderen.
Neue Bauvorschriften veränderten Rostocks Gesicht grundlegend: mehr Stein statt Holz, breitere Straßen als natürliche Feuerbarrieren, verbesserte Brandschutzmaßnahmen. Die Stadt entstand neu - anders als zuvor.
Vor dem Brand zählte Rostock rund 15.000 Einwohner. Danach waren es nur noch 5.000. Viele zogen nie wieder zurück. Erst fast 100 Jahre später erreichte die Stadt wieder ihre frühere Größe. Die Feuerwächter in den Kirchturmen wurden danach noch wichtiger.